Siemens' KI-Agent für die Industrieautomatisierung: Automatisiert Engineering-Prozesse

Siemens hat neue Funktionen seines für die industrielle Automatisierung entwickelten Eigen Engineering Agent vorgestellt. Das KI-basierte System soll neben Aufgaben wie SPS-Programmierung, HMI-Visualisierung und Gerätekonfiguration auch Prozesse zwischen Elektrokonstruktion und Softwareentwicklung automatisieren.
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Das Bild wurde mithilfe künstlicher Intelligenz generiert.

Was ist der Eigen Engineering Agent?

Der Eigen Engineering Agent ist ein von Siemens speziell für das Automatisierungs-Engineering entwickeltes, KI-basiertes Werkzeug. Im Gegensatz zu universellen KI-Systemen ist dieses System gezielt auf Prozesse der Automatisierungstechnik ausgelegt; es kann zugewiesene Aufgaben planen, umsetzen und die erzeugten Ergebnisse validieren.

Das System arbeitet nahtlos integriert mit der Engineering-Plattform TIA Portal von Siemens. Dadurch können Programmstrukturen, Hardware-Geräte, Parameter und weitere Projektdaten aus Automatisierungsprojekten bei der Ausführung von Engineering-Aufgaben berücksichtigt werden.

KI kann Speicherprogrammierbare Steuerungen (SPS) programmieren

Eines der zentralen Anwendungsgebiete des Eigen Engineering Agent ist die SPS-Programmierung. Durch die Analyse von Aufgabenstellungen aus dem Automatisierungs-Engineering kann das System den erforderlichen SPS-Code generieren und die Ergebnisse anhand der Projektanforderungen überprüfen.

Laut Siemens kann das System neben der SPS-Programmierung auch für Aufgaben wie die HMI-Visualisierung und die Gerätekonfiguration eingesetzt werden.

Dieser Ansatz zielt vor allem darauf ab, wiederkehrende Engineering-Abläufe zu automatisieren. So können Ingenieure mehr Zeit für komplexere Aufgaben wie Systemarchitektur, Steuerungsstrategie und Inbetriebnahme aufwenden.

Integration zwischen ECAD und TIA Portal

Zu den neuen Funktionen von Siemens gehört auch eine ECAD-Integration.

Der Transfer von Daten aus der Elektrokonstruktion in das Automatisierungsprojekt erfordert in herkömmlichen Engineering-Prozessen oft einen erheblichen manuellen Aufwand. Der Eigen Engineering Agent zielt darauf ab, Informationen aus Elektrokonstruktionsdateien zu analysieren und direkt in das TIA Portal-Projekt zu übertragen.

Das System kann Elektrokonstruktionsdaten in Formaten wie XML und AML einlesen, Unstimmigkeiten erkennen, Geräte im TIA Portal-Projekt anlegen und bei der Generierung von SPS-Variablen (PLC Tags) auf Basis von Verdrahtungsinformationen unterstützen.

Diese Funktion soll dazu beitragen, repetitive Arbeitsschritte beim Informationsfluss zwischen Elektrokonstruktion und Automatisierungssoftware zu reduzieren.

Erstellung von Automatisierungsprojekten aus natürlicher Sprache

Ein weiteres bemerkenswertes Merkmal des Eigen Engineering Agent ist die Fähigkeit, Maschinenbeschreibungen aus natürlicher Sprache in funktionsfähige Automatisierungsprojekte zu überführen.

Ingenieure können die Stationen einer Maschine, die eingesetzten Geräte und die Funktionslogik in natürlicher Sprache beschreiben. Auf Basis dieser Angaben kann das System eine mit dem Siemens Automation Framework konforme Projektstruktur erstellen.

Das erzeugte Projekt kann anschließend im TIA Portal geöffnet und vom Entwickler weiter ausgearbeitet werden. Dadurch sollen repetitive Schritte in der initialen Konfigurationsphase eines Automatisierungsprojekts minimiert werden.

KI überprüft die eigenen Ergebnisse

In industriellen Automatisierungssystemen reicht die reine Codegenerierung nicht aus. Die erzeugte Steuerungslogik muss den Projektanforderungen, der Systemarchitektur und den relevanten Standards entsprechen.

Der Eigen Engineering Agent ist daher nicht bloß als Werkzeug zur Codegenerierung konzipiert. Laut Siemens kann das System komplexe Engineering-Aufgaben in kleinere Teilschritte zerlegen, diese ausführen und die Resultate überprüfen.

Im Unterschied zu generischen KI-Tools soll dieser Ansatz einen umfassenderen Engineering-Prozess etablieren, der den technischen Kontext des Automatisierungsprojekts berücksichtigt.

In mehr als 100 Unternehmen getestet

Siemens gab bekannt, dass der Eigen Engineering Agent vor seiner kommerziellen Bereitstellung in Pilotprojekten bei über 100 Unternehmen in 19 Ländern getestet wurde.

Die Pilotstudien umfassten verschiedene Engineering-Aufgaben wie SPS-Programmierung, HMI-Visualisierung, Gerätekonfiguration und Dokumentation.

Nach Angaben von Siemens konnte das System bestimmte Engineering-Aufgaben zwei- bis fünfmal schneller als bei manuellen Workflows bearbeiten. Das Unternehmen berichtete zudem von Effizienzsteigerungen von bis zu 50 % in ausgewählten Prozessen sowie einer Verbesserung der Lösungsqualität um bis zu 80 %.

Es ist anzumerken, dass es sich hierbei um von Siemens veröffentlichte Pilotergebnisse handelt, die nicht zwangsläufig bedeuten, dass bei jedem Automatisierungsprojekt identische Leistungswerte erreicht werden.

Wird die KI Automatisierungsingenieure ersetzen?

Der Eigen Engineering Agent ist ein prägnantes Beispiel für die Aufgaben, die künstliche Intelligenz im Automatisierungs-Engineering übernehmen kann.

Die Automatisierung wiederkehrender Tätigkeiten — wie die SPS-Codeerstellung, Gerätekonfiguration, HMI-Visualisierung und Dokumentation — kann Ingenieuren dabei helfen, mehr Zeit in übergeordnete Systementscheidungen zu investieren.

Dennoch steht eine vollständige Übernahme des Automatisierungs-Engineerings durch KI nicht bevor. Das Entwerfen der Steuerungsarchitektur, die Bewertung des physischen Maschinenverhaltens, die Festlegung von Sicherheitsanforderungen, die Inbetriebnahme sowie die Validierung unter realen Betriebsbedingungen bleiben Prozesse, die weiterhin tiefes Ingenieurwissen und menschliche Überwachung erfordern.

Daher ist es zutreffender, den Eigen Engineering Agent nicht als Ersatz für Ingenieure zu betrachten, sondern als ein KI-basiertes Engineering-Werkzeug, das einen Teil der ingenieurtechnischen Aufgaben automatisiert.

Die Zukunft der Industrieautomatisierung

Die direkte Integration künstlicher Intelligenz in Engineering-Software und industrielle Automatisierungsprozesse stellt eine der wesentlichen Transformationen in der Produktionstechnik dar.

Am Beispiel des Eigen Engineering Agent beschränkt sich KI nicht mehr nur auf die Generierung von Text oder Code. Ziel ist es, Informationen aus unterschiedlichen Engineering-Phasen — von der Elektrokonstruktion über die SPS-Programmierung bis hin zur Gerätekonfiguration und HMI-Entwicklung — zusammenzuführen.

Das von Siemens entwickelte System verdeutlicht, dass sich die KI in der Industrieautomatisierung von einem rein beratenden Assistenten zu autonomeren Systemen weiterentwickelt, die in der Lage sind, konkrete Engineering-Aufgaben eigenständig umzusetzen.

In der kommenden Zeit wird die Anwendung dieses Ansatzes auf andere Automatisierungsplattformen und komplexere Produktionssysteme eines der zentralen Themen an der Schnittstelle von KI und industriellem Engineering sein.

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